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The day after closing

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How Acquirers Quietly Destroy What They Just Bought

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Unsere 3 wichtigsten Erkenntnisse

Capability acquisitions fail because of the acquirer's operating model, not poor execution. Most acquirers apply their scale-deal playbook to capability deals, systematically overwriting the value they paid for. Failure rates sit between 70 and 90 percent

Value destruction follows a predictable five-phase pattern, and the clock starts on Day 1. Each phase appears rational in isolation but collectively dismantles what made the target distinctive. 33 percent of acquired employees leave within the first year, with the highest performers leaving first

The central governance question must shift from "Are we on track?" to "Are we still aligned to the rationale?" This means operationalizing the deal rationale within 30 days, assessing technology decisions for irreversibility before they are made, and governing talent retention at steering level

1 Capability-Akquisitionen machen inzwischen jeden fünften grossen Deal aus – und das alte Playbook passt nicht  

Eine neue Klasse von Transaktionen dominiert inzwischen das Corporate M&A. Branchenschätzungen zufolge entfallen auf Capability-getriebene Akquisitionen mittlerweile rund 20 Prozent aller grossen Deals weltweit. Es handelt sich um Transaktionen, die getätigt werden, um eine distinktive Fähigkeit zu erwerben – nicht, um ein bestehendes Geschäft zu skalieren [1]. Die ökonomische Logik ist einfach: Bestimmte Fähigkeiten lassen sich schneller kaufen als aufbauen. Die Integrationslogik ist jedoch alles andere als einfach. Eine Capability ist keine Bilanzposition. Sie ist ein funktionierendes System aus Entscheidungsrechten, Operating Model, Technologie-Stack, Kundenbeziehungen und den Menschen, die es betreiben. Dieses System – nicht das Asset – ist es, was gekauft wurde. Dennoch integrieren die meisten Käufer Capability-Deals mit demselben Playbook, das für Scale-Deals entwickelt wurde: einem Playbook, das darauf ausgelegt ist zu harmonisieren, zu konsolidieren und zu standardisieren. Dieses Missverhältnis ist das gesamte Problem. 

Die Zahlen sind ernüchternd. Die Misserfolgsquoten im M&A liegen – gemessen an der eigenen Deal-These des Käufers – zwischen 70 und 90 Prozent [2]. Eine separate Analyse von S&P-500-Transaktionen verfolgt ein anderes, aber verwandtes Signal: 46 Prozent aller Deals werden letztlich wieder rückabgewickelt, wobei die durchschnittliche Zeitspanne von der Akquisition bis zur Desinvestition ein ganzes Jahrzehnt umfasst [3]. Die gängigen Erklärungen beschreiben Symptome, nicht Ursachen. Kulturkonflikte, Kommunikationsbrüche und unterbesetzte Integration Offices sind reale Phänomene, aber sie liegen über etwas Tieferem. Der eigentliche Mechanismus ist struktureller Natur. Das Operating Model des Käufers verhält sich wie ein organisationales Gravitationsfeld: Seine Reportingstrukturen, Genehmigungsworkflows, Technologiearchitektur, Entscheidungsrechte und institutionellen Reflexe ziehen jeden Teil des Geschäfts in Richtung der Standards des Käufers. Es lehnt die Besonderheit des Targets nicht bewusst oder sichtbar ab; es tut dies per Default – durch das leise Gewicht jedes Standardprozesses, der auf ein Nicht-Standard-Asset angewendet wird. Dieser Artikel benennt diesen Mechanismus, zeichnet nach, wie er Wert erodiert, und beschreibt die Governance-Architektur, die erforderlich ist, um ihn zu verhindern. 

2 Die Deal-Rationale überlebt die Übergabe nicht  

Man betrachte das Muster, das sich über Capability-Deals hinweg wiederholt. Eine grosse Organisation übernimmt ein kleineres, spezialisiertes Unternehmen gerade deshalb, weil es anders arbeitet. Schnellere Entscheidungszyklen, tiefere Domänenexpertise, ein distinktives Kundenmodell, das der Käufer intern nicht replizieren kann. Der Deal wird abgeschlossen. Die Integration beginnt. Die Teams des Käufers folgen ihrem etablierten Playbook: Konzern-Reportingstrukturen werden übergestülpt, Enterprise-Plattformen migriert, Rollen und Prozesse harmonisiert. Jeder Schritt folgt dem Verfahren. Keiner ist darauf ausgelegt, das zu schützen, was das Target wertvoll gemacht hat. Innerhalb von zwei Jahren hat die differenzierende Capability aufgehört zu existieren. Technisch war die Integration ein Erfolg. Strategisch ist sie gescheitert. Die Übergabe ist der Punkt, an dem dies beginnt. Die Menschen, die die Deal-Rationale entworfen haben, sind fast nie diejenigen, die für die Umsetzung der Integration verantwortlich sind. Übergeben wird das juristische Gerüst: Kaufverträge, Transition-Service-Vereinbarungen, regulatorische Meldungen. Nicht übergeben wird die Übersetzung dieser Rationale in operative Begriffe: ein Entscheidungsrahmen, der nicht nur festlegt, warum das Asset gekauft wurde, sondern welche Capabilities strukturell geschützt werden müssen und wo die Standards des Käufers nicht greifen dürfen. Die strategische Absicht mag beim Signing klar sein, doch die akademische Forschung zur M&A-Integration zeigt, dass sich Integrationsentscheidungen nur über Zwischenziele in Akquisitionsperformance übersetzen: Ohne eine explizite Kette von der Rationale über operative Meilensteine bis zur Performance reisst die Verbindung zwischen Plan und Ergebnis [4]

Umsetzungsteams füllen dieses Vakuum mit Präzedenz. Die besten Playbooks enthalten Deal-Zweck, Sponsoren und Meilensteine. Doch ein Playbook, das für Scale-Deals entwickelt wurde, wird kontraproduktiv, wenn es auf eine Capability-Akquisition angewendet wird. Eine Untersuchung von 1'452 Akquisitionen [5] zeigt, dass die optimale Integrationstiefe vom Typ der angestrebten Synergie abhängt: Wer die Integrationstiefe eines Scale-Deals auf einen Capability-Deal anwendet, verfehlt die Ressourcen-Rekonfiguration, die das Target erfordert. Der Mechanismus ist institutionell: Das Playbook bietet Deckung, denn das Befolgen des genehmigten Prozesses wird nie hinterfragt – selbst dann nicht, wenn der Prozess für den vorliegenden Deal strukturell falsch ist. Das Ergebnis ist eine Diskrepanz zwischen der Vision des Managements für das, was gekauft wurde, und der operativen Realität dessen, was gebaut wird – unsichtbar auf Ebene des Steering Committees, weil jeder Meilenstein technisch erfüllt wird. Wenn das Playbook zur Doktrin wird, hören Teams auf, von der Deal-Logik her zu denken, und beginnen, vom Template her zu denken. 

3 Fünf Phasen machen das Operating Model zur Wertvernichtungsmaschine

Die Erosion folgt häufig einer konsistenten Sequenz aus fünf Phasen (Abbildung 1). Jede Phase erscheint für sich genommen rational. Die destruktive Logik wird erst im Aggregat sichtbar.

Abbildung 1:Five Phases of Silent Value Destruction  

Phase 1. Rückzug des Managements. Das Engagement der C-Suite ist in den ersten Wochen sichtbar, doch konkurrierende Prioritäten setzen sich schnell wieder durch. Die Integrations-Governance sackt nach unten ab – zu Teams, die operative Verantwortung ohne strategische Autorität tragen. Die Entscheidungen, die darüber bestimmen, ob Wert erhalten bleibt, werden nun von Menschen getroffen, die nie im Raum waren, als die Rationale konstruiert wurde. 

Phase 2. Kollision. Die Umsetzungsteams des Käufers und die Führung des Targets interagieren ohne gemeinsames Verständnis der Absicht. Visionen driften auseinander, Entscheidungszyklen verlangsamen sich, und keine Seite hat das Mandat, grundlegende Meinungsverschiedenheiten darüber aufzulösen, was aus der kombinierten Einheit werden soll. 

Phase 3. Überschreiben des Operating Models. Das Operating Model des Käufers füllt das Vakuum – und die Technologie ist der Ort, an dem es zuerst und am härtesten zuschlägt. Die IT erzwingt Systemmigrationen und Plattformkonsolidierungen auf die Enterprise-Architektur des Käufers, noch bevor das Target Operating Model überhaupt definiert ist. Diese Entscheidungen werden häufig als technische Routinearbeit behandelt, dabei gehören sie zu den folgenreichsten und am wenigsten umkehrbaren Weichenstellungen jeder Integration. Sie gehören auch zu den teuersten: Die EY-Parthenon-Analyse von 229 Transaktionen6 beziffert die gesamten Integrationskosten auf ein bis vier Prozent des Deal-Werts, wobei Technologiekosten neben Abfindungen und Immobilien zu den häufigsten Treibern von Einmalkosten zählen. Finance setzt anschliessend standardisierte Kontrollen und Reportings durch. HR harmonisiert Rollen und Vergütungsbänder. Risk und Compliance ziehen Prozesse straffer. Das mittlere Management drängt auf Einheitlichkeit, weil Einheitlichkeit leichter zu steuern ist. Jeder Schritt fühlt sich lokal rational an. Zusammengenommen demontieren sie die operativen Fundamente, die das Target distinktiv gemacht haben.  

Phase 4. Überschreiben der Identität. Kultur und Identität des Targets werden schrittweise durch die des Käufers ersetzt: Werte, Entscheidungsnormen, Arbeitsweisen. Die Menschen, die das Target aufgebaut haben, erkennen die Organisation, in der sie arbeiten, nicht mehr wieder. Die ursprüngliche Identität wird nicht durch eine einzelne Entscheidung ausgelöscht, sondern durch das akkumulierte Gewicht Hunderter kleiner Entscheidungen. 

Abbildung 1:Four Waves of Talent Erosion  

Die Talenterosion verläuft unterhalb der fünf Phasen (Abbildung 2). Sie spiegelt den Integrationszeitplan, hinkt ihm aber hinterher. In den ersten Monaten beobachten die Menschen und warten ab. Einsatz und Initiative sinken, aber nur wenige gehen sofort. Sobald die Fehlausrichtung sichtbar wird und die Richtung unklar bleibt, beginnen die besten Leute, externe Optionen zu sondieren. Dann setzen die Abgänge in Wellen ein. Die talentiertesten und mobilsten Menschen gehen zuerst. Sie erkennen die Probleme am frühesten und haben aussen die stärksten Optionen. Jeder Abgang nimmt Wissen und Beziehungen mit. Die Grössenordnung ist gut dokumentiert: Daten des U.S. Census zu 230'000 übernommenen Mitarbeitenden zeigen, dass 33 Prozent innerhalb des ersten Jahres gehen – das 2,75-Fache der Quote vergleichbarer Neueinstellungen –, am stärksten ausgeprägt bei Spitzenverdienern [7]. Eine zweite Welle folgt zwölf bis vierundzwanzig Monate später, ausgelöst durch die verspätete Durchsetzung des Target Operating Models des Käufers. Dieses Modell wurde für das Bestandsgeschäft des Käufers entworfen, nicht für die übernommene Vertikale. Bis dahin ist der verbleibende Talentpool negativ selektiert: Wer bleibt, sind überproportional diejenigen, die keine Alternativen gefunden haben oder deren Vertragsbedingungen einen Abgang unattraktiv machen. Menschen optimieren auf persönliche Stabilität, nicht auf das Schaffen von Neuem. 

Phase 5. Absorption. Die Einheit wird absorbiert: Die rechtliche Struktur wird aufgelöst, die Marke stillgelegt, die verbleibenden Mitarbeitenden in die bestehenden Strukturen des Käufers eingegliedert. Niemand kann auf den Wert zeigen, den der Deal schaffen sollte. Die Integration wird für abgeschlossen erklärt. Die Deal-Rationale ist in keiner operativen Kennzahl mehr messbar. 

4 Drei politische Kräfte halten den Mechanismus für die Steuerung unsichtbar 

Jede gescheiterte Integration hat eine politische Anatomie, die für alle sichtbar ist und von niemandem anerkannt wird. Drei Kräfte (Abbildung 3) prägen sie durchgängig.  

Abbildung 3: The Three Political Forces

Erstens halten Integrationsverantwortliche innerhalb der übernehmenden Organisation unverhältnismässig grosse informelle Macht. Sie kontrollieren den Zugang zu Entscheidungsträgern, formen das Narrativ, das das Steering Committee erreicht, und eskalieren Probleme selten, weil Eskalation Schwäche signalisiert. 

Zweitens agieren Führungskräfte auf beiden Seiten mit unausgesprochenen Agenden. Sie optimieren auf persönliche Positionierung oder verteidigen überkommene Ansätze – nicht, weil diese Ansätze überlegen wären, sondern weil das Eingeständnis ihrer Unzulänglichkeit erfordern würde, sich damit auseinanderzusetzen, wie weit die Integration abgedriftet ist. 

Drittens ist der institutionelle Reflex beim Auftreten von Spannungen das Schweigen. Das Problem ist nicht das Talent: Die strukturellen Anforderungen einer Rationale-getriebenen Integration übersteigen das, was der Standard-Besetzungsprozess leisten kann. Die Rolle erfordert strategisches Urteilsvermögen, organisationsübergreifende Autorität und die Bereitschaft, die Standards des Käufers infrage zu stellen – ein Profil, das im üblichen Staffing selten priorisiert wird. Steering Committees prüfen weiterhin Meilenstein-Tracker, während sich die tatsächlichen Erfolgsdeterminanten auf den Fluren abspielen. Führungskräfte absorbieren die Konsequenzen, statt sich den strukturellen Gründen der Wertvernichtung zu stellen – denn das würde bedeuten einzugestehen, dass die Governance-Architektur nie darauf ausgelegt war, sie zu verhindern. Genau diese Lücke soll die Rationale-verankerte Governance schliessen. 

5 Meilenstein-Tracking durch Rationale-verankerte Governance ersetzen 

Die konventionelle Antwort ist ein Integration Management Office mit Workstream-Leads, Statusberichten und wöchentlichen Kadenzen. Es trackt Aktivitäten. Es schützt keinen Wert. Erforderlich ist eine Rationale-verankerte Governance: eine Struktur, die jede Integrationsentscheidung an die Deal-Rationale zurückbindet und Technologie-, Organisations- und kommerzielle Entscheidungen an ihr prüft, bevor sie unumkehrbar werden (Abbildung 4).  

Abbildung 4: Conventional vs. Rationale-Anchored Governance  

Drei Bedingungen sind nicht verhandelbar. 

Erstens: die Deal-Rationale vor oder unmittelbar nach dem Closing in einen operativen Entscheidungsrahmen übersetzen. Der Rahmen legt fest, was gekauft wurde, welche Capabilities den Wert definieren und wo die Standardisierung des Käufers zulässig ist – und wo sie die Wertthese gefährdet. Dies gilt mit besonderer Wucht für Technologieentscheidungen: Plattformmigrationen, Architekturkonsolidierungen und Systemstilllegungen müssen von der Rationale gesteuert werden, nicht von der IT-Roadmap des Käufers. 

Zweitens: Entscheidungsrechte auf Basis von Wertschutz zuteilen, nicht nach organisatorischer Hierarchie. Führungskräfte im übernommenen Geschäft, die Rationale-relevante Capabilities tragen, brauchen für einen definierten Zeitraum echte Autorität. Supportfunktionen brauchen explizite Leitplanken, wo Harmonisierung angemessen ist und wo sie warten muss. Das Commitment der C-Suite muss strukturell sein, nicht zeremoniell. 

Drittens: Governance-Gremien über das Fortschrittsreporting hinaus um Drift-Erkennung erweitern. Traditionelle Meilensteine und finanzielle KPIs bleiben notwendig, aber sie sind nachlaufende Indikatoren. Die zentrale Frage in jedem Steering Meeting lautet nicht «Sind wir auf Kurs?», sondern «Sind wir noch an der Rationale ausgerichtet?» Talentflüsse, Entscheidungsgeschwindigkeit und Eskalationshäufigkeit sind ergänzende Frühindikatoren. Sie signalisieren, ob die Rationale noch intakt ist, lange bevor finanzielle Kennzahlen den Schaden registrieren – und sie ergänzen das traditionelle Fortschritts- und Finanzreporting, statt es zu ersetzen. 

Change Management ist in diesem Modell kein nachgeordneter Workstream. Es ist der Mechanismus, durch den die strategische Absicht der Integration gegen institutionelle Trägheit verteidigt wird. Kommunikation kann fehlende Governance nicht kompensieren. Aber Governance ohne kontinuierliche Kommunikation in beide Organisationen hinein wird von genau den Default-Verhaltensweisen untergraben, die sie überschreiben sollte. 

Diese Bedingungen sind notwendig, aber nicht hinreichend. Die Organisationen, die Deal-Wert konsistent schützen, gehen weiter: Sie etablieren eine unabhängige Integrationsinstanz mit der Seniorität und dem Mandat, die Standards des Käufers infrage zu stellen. Diese Instanz ist keine beratende Funktion. Sie ist ein strukturelles Gegengewicht zur Gravitation des Operating Models. Sie besetzen die Integration mit Praktikern, die den Mechanismus von beiden Seiten der Transaktion gesehen haben und wissen, wo die unumkehrbaren Entscheidungen fallen. 

Und entscheidend: Sie behandeln Talentbindung als Verantwortung des Steering Committees, nicht als HR-Workstream. Capability-Träger namentlich zu identifizieren, ihre Rolle in der Wertthese zu dokumentieren und ihnen Bleibegründe zu geben, die nicht nur finanzieller Natur sind – das ist der Unterschied zwischen dem Kauf einer Capability und dem Kauf der Hülle, die einmal eine enthielt. 

Das Fenster für diese Interventionen ist schmal. Technologiearchitektur-Entscheidungen schaffen Pfadabhängigkeiten von dem Moment an, in dem sie umgesetzt werden. Plattformmigrationen, Systemstilllegungen und Datenkonsolidierung sind die Entscheidungen, die binden. Die Forschung bestätigt, dass IS-Entscheidungen die Effekte aller anderen Integrationsvariablen auf die Ergebnisse teilweise mediieren. Sind Systeme einmal stillgelegt, existiert die technische Grundlage für das übernommene Geschäftsmodell nicht mehr eigenständig [8]. Bis ein Steering Committee die Drift erkennt, sind die Systeme migriert, die Menschen, die die Capability verkörperten, gegangen, und die Autorität ist an die Standards des Käufers zurückübertragen. Nichts davon ist auf den Zeitachsen wiederherstellbar, in denen eine Integration läuft. Die Frage ist daher nicht, ob man handeln soll, wenn die Drift sichtbar wird. Sondern ob die Governance-Architektur steht, bevor sich das Fenster schliesst. 

Das Artefakt, das diese Bedingungen zusammenhält, ist die Investment Hypothesis. Sie übersetzt die Deal-Rationale in messbare Grössen entlang dreier Dimensionen – People, Process und Technology – mit expliziten KPIs, die den gegen die Deal-These gesicherten Wert nachhalten, nicht die abgeschlossene Aktivität: 

People: Verbleib namentlich benannter Capability-Träger in ihren Rationale-relevanten Rollen sowie deren Produktivität gegenüber der Baseline vor dem Deal. 

Process: Entscheidungsgeschwindigkeit in Rationale-relevanten Fragen sowie gehaltener Umsatz mit Kunden und Produkten, die in der Deal-These benannt sind. 

Technology: Verfügbarkeit der Plattformen, die die Capability zum Kunden bringen, sowie Synergierealisierung, gebucht gegen das Deal-Modell. 

Jede Dimension ist mit einem Assessment-Rahmen gekoppelt, der sie an jedem Gate prüft, und mit einem namentlich benannten Sponsor, der die Absicherung verantwortet, wenn die Realität von der These abweicht. Das ist es, was das Steering Committee nachhält: die Werttreiber des Deals, nicht das Meilenstein-Playbook. Die Verschiebung besteht darin, nicht mehr zu fragen «Setzen wir den Plan um?», sondern «Ist der Plan noch der richtige Plan?» 

Die Implikationen sind operativ und unmittelbar – und sie folgen einem engen Takt (Abbildung 5).

Abbildung 5: The 30/90/180 Day Framework 


Bis Day 30: Die Deal-Rationale muss als operativer Entscheidungsrahmen existieren, nicht als Strategie-Deck. Der Rahmen benennt explizite Kriterien, wo die Standardisierung des Käufers zulässig ist und wo sie nicht greifen darf. Die Investment Hypothesis muss zum selben Datum live sein – mit benannten KPIs und einem benannten Sponsor. 

Bis Day 90: Jede vorgeschlagene Technologieentscheidung muss ein Architecture Impact Assessment durchlaufen, das umkehrbare von unumkehrbaren Entscheidungen unterscheidet. Unumkehrbare Entscheidungen eskalieren an das Governance-Gremium, das die Rationale verantwortet. 

Bis Day 180: Die Menschen, die die erworbene Capability verkörpern, müssen namentlich identifiziert, ihre strukturelle Rolle in der Wertthese dokumentiert und ihre Bindung als strategisches Ziel mit derselben Rigorosität gesteuert werden wie Synergieziele. Die Integration selbst muss von Praktikern geführt werden, die die Unabhängigkeit und Seniorität besitzen, die Standards des Käufers infrage zu stellen – nicht als Berater, sondern als Entscheider mit dem Mandat, den Standardprozess zu überstimmen, wo die Rationale es verlangt. 

Dies sind keine Verfeinerungen des Standard-Playbooks. Es handelt sich um eine fundamental andere Governance-Architektur. Die meisten Organisationen besitzen sie intern nicht. Sie müssen sie aufbauen oder einkaufen, bevor sich das Fenster schliesst. 

Wenn die Governance die Deal-Rationale nicht von Anfang an strukturell schützt, wird das Operating Model des Käufers den soeben gekauften Wert leise zerstören. Nicht durch Scheitern. Durch Default.


[1] Bain & Company (2020). Integration: Why less is more in capability deals. Bain Global M&A Report 2020.

[2] Christensen, C. M., Alton, R., Rising, C., & Waldeck, A. (2011). The new M&A playbook. Harvard Business Review, 89(3), 48–57.

[3] MIT Sloan Management Review (2025). Why mergers fail and how to spot trouble early. MIT Sloan Management Review.

[4] Cording, M., Christmann, P., & King, D. R. (2008). Reducing causal ambiguity in acquisition integration: Intermediate goals as mediators of integration decisions and acquisition performance. Academy of Management Journal, 51(4), 744–767.

[5] Chaturvedi, T., & Weigelt, C. (2024). Operating synergy and post-acquisition integration in corporate acquisitions: A resource reconfiguration perspective. Long Range Planning, 57(3), 102–428.

[6] EY-Parthenon (2025). Beyond the deal: Accurately estimating M&A integration cost. EY Insights: Strategy and Transactions.

[7] Kim, J. D. (2024). The challenge of retaining startup talent after an acquisition. Harvard Business Review, February 2024.

[8] Henningsson, S., Yetton, P. W., & Wynne, P. J. (2018). A review of information system integration in mergers and acquisitions. Journal of Information Technology, 33(4), 255–303.

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20+ years experience in management consulting and IT engineering, including numerous banking and fintech projects. Founder and partner of CORE SE.

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